Museum "Alte Ziegelei"  Westerholt e.V.
Eingetragener Verein zur Erhaltung der alten  Westerholter Ziegelei 
1. Vorsitzender 
Albert Hinrichs
Schulweg 19
26203 Wardenburg 
Tel.: 04407 / 922 283
 
2. Vorsitzender 
Heinz Wellmann 
26203 Westerholt 
Hinterm Esch 25 
Tel. privat: 04407/8420
Tel. Büro. 04407/6803
 
Schriftführer 
Heino Boschen 
26203 Westerholt 
Hinterm Esch  25 
Tel.: 04407 / 1021
 

Aus Lehm entstehen "Backsteine"

Nach über hundert Jahren werden wieder Backsteine in einem Feldbrand bei der Westerholter Ziegelei gebrannt. Der Verein "Museum Alte Ziegelei Westerholt"  plant in Zusammenarbeit mit der Ziegelei Röben / Querenstede am "Tag des offenen Denkmals" am 13. September 1998 einen Feldbrand.
Dipl. Ing. Henrik Bos von der Firma Röben wird die Aufstellung aus Handstrichsteinen in einem Meiler vornehmen, wie er vor 100 Jahren in Westerholt üblich war und heute u.a. in Ägypten zu sehen ist.
   
Feldbrandofen 1927
(W. Leinemann: Handwerkliche und industrielle Ziegeleiherstellung)

Das folgende Faltblatt informiert Sie über den Bau und den Betrieb eines Feldbrandofens
 
 

Wissenswertes über den Bau und Betrieb
eines Feldbrandofens
zum "Tag des offenen Denkmals 1998"
beim Ziegeleimuseum Westerholt

Feuer macht aus getrocknetem Lehm  ZIEGELSTEINE

 Vor 6000 Jahren gelang es Menschen, unter Verwendung der vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer die ersten gebrannten Ziegel  herzustellen, einen Baustoff, der Jahrtausende überdauert. Das Feuer läßt ihn so "steinhart"  werden.  
  

Das Brennen

 Nachdem  man in einem aufwendigen Verfahren aus Lehm quaderförmige "Formlinge" hergestellt und diese ebenso aufwendig getrocknet  hat,  sieht das Produkt einem Ziegel schon recht ähnlich.  Das gewohnte "Ziegelrot" fehlt noch,  und   - bei unseren klimatischen Verhältnissen ein besonders gravierender Mangel -   das Material wird durch  Wasser aufgelöst. Erst durch Brennen  erhält man  den bekannten wasserfesten Baustoff  "Ziegel". 
Die Formlinge müssen langsam  auf  eine Temperatur von 800 bis 1250 Grad Celsius erhitzt werden, so daß der Ton schließlich in mehreren Stufen verziegelt. Zunächst wird restliches Wasser ausgetrieben. Verschiedene Bestandteile der Tonmasse reagieren chemisch miteinander.  Eisenoxid, das im Ton enthalten ist, führt dabei zur Rotfärbung.  Schließlich schmelzen die Glasanteile und backen die verschiedenen Stoffe zusammen.  Die Ziegel -"Backsteine"-  werden  "steinhart"  und  können durch Regen nicht mehr angegriffen werden. Die Technik des Brennens von Ziegeln hat eine lange Geschichte.  Sie hat sich in Jahrhunderten  von einfachsten Verfahren zu den heutigen industriellen Produktionsmethoden entwickelt. Eine wesentliche Stufe in diesem Entwicklungsprozeß war  der Brand mit einem Feldbrandofen.
 
Aufbau eines Feldbrandmeilers (M.Schrader: Mauerziegel...)

Der Feldbrandofen

 Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war der  Feldbrand ein weit verbreitetes Verfahren, aus Lehmformlingen Ziegel zu brennen.  Noch heute werden auf diese Weise in Afrika und Indien Ziegel hergestellt. 
Die Formlinge - 10 000 bis zu 3 Millionen Stück - wurden zu meterhohen Meilern aufgetürmt. Man schichtete sie so aufeinander,  daß Kanäle freiblieben, die mit Holz, Torf oder Kohlen als Brennmaterial gefüllt wurden. Zwischen den einzelnen Formlingen ließ man einen etwa fingerbreiten Abstand, damit beim Brennen die heiße Luft  gut zirkulieren konnte.  
Der Stapel wurde außen mit schadhaften Formlingen, die man mit Lehm verschmierte, abgedichtet. Schließlich deckte man den Meiler mit Rasenstücken ab, um den Wärmeverlust zu verringern. Um beim Brennen  as Feuer in den Kanälen mit Luft versorgen zu können,  ließ man unter Berücksichtigung der Windrichtung  Öffnungen in der Ummantelung frei. Die Luftzufuhr konnte jedoch nur unzureichend geregelt werden, die Verbrennung und damit die Hitzeentwicklung innerhalb des Meilers  erfolgte daher sehr unterschiedlich. Deshalb  wurden die Ziegel  nicht gleichmäßig gebrannt. Es gab erhebliche Farb- und Festigkeitsunterschiede.  Nach unseren Qualitätsvorstellungen war der Anteil des  "Ausschusses" sehr hoch.  Er lag bei 30%. Man kann jedoch davon ausgehen,  daß auch die weniger gut gelungenen Ziegel irgendwo am Bauwerk  eine angemessene Verwendung fanden.  
Der Brennvorgang forderte von unseren Vorfahren übrigens eine Menge Geduld. Er dauerte vom Anzünden bis zum Öffnen des Meilers etwa 4 bis 6 Wochen.