Straßen und Gebäude
geben Aufschluß über Wardenburgs Geschichte.
Viele Bürger sind der
Ansicht, daß der Ort Wardenburg keine interessante Geschichte hat.
Diese Mitbürger machen sich allerdings nur selten die Mühe, sich
einmal näher mit den Gemeindestraßen, ihren Namen und ihren
Gebäude auseinander zu setzen. Dann kommt man sehr schnell zu einer
anderen Ansicht.
Burgweg, Am Wallhof
Wardenburg um 1270
Es gibt in der Gemeinde Wardenburg
noch heute Wege, die auf die Geschichte hinweisen. Beispielsweise heißen
in der Nähe der Lethe zwei Straßen "Burgweg" und "Am Wallhof".
Ein Wallhof ist ein Hof bzw. Gebäude, welches von mindestens
zwei Wällen umgeben ist. Das Gebäude kann aber auch eine Burg
sein. Es ist davon auszugehen, daß um 1270 der Junker von Westerholte
dort eine Burg baute, die er "Wardburg" nannte.
Der Junker war im Dorf zwar
nicht sehr einflußreich, doch zusammen mit seinen Verbündeten
Ritter
Heinrich von Bremen und Lüder von Hude hatte er eine große
Stellung im Oldenburger Raum. Der Junker und seine Verbündeten waren
Widersacher des Grafen von Oldenburg, weshalb sie die „Wardburg"
direkt vor den Toren Oldenburgs bauten. Zwischen den verfeindeten Gruppen kam
es auch später zum Kampf. Der Graf von Oldenburg siegte und ließ
den Junker mitsamt seinen Freunden einsperren.
Die Burg blieb bei diesem
Kampf unversehrt. Sie wurde erst 1483 von den Horden des Bischofs von Münster
während des Glaubenskrieges in Deutschland zerstört. Langezeit
waren nur noch Reste der Burgruine aufzufinden, doch davon ist heute nichts
mehr zu sehen. Alle noch vorhandenen Reste wurden bei der letzten Flurbereinigung
beseitigt.
Die Marienkirche als Wallfahrtstätte
Der Junker von Westerholte hat
noch ein weiteres Gebäude in Wardenburg errichtet - die Marienkirche.
In ihrer ursprünglichen Funktion war die Marienkirche eine Wallfahrtskirche,
gleichzeitig aber auch eine Außenstelle der Kirche zu Westerburg.
Die Kirche zu Westerburg war gewissermaßen die Hauptkirche der Gemeinde.
Aus diesem Grund gibt es in Westerburg auch noch heute einen Friedhof.
Die Marienkirche brannte im Jahre 1538 völlig nieder, wurde jedoch
vierzig Jahre später wieder aufgebaut.
Die
Marienkirche wurde über die Grenzen Wardenburgs hinaus bekannt. Dies
verdankt sie einer aus Holz geschnitzten Marienstatue. Diese galt als wundertätig,
und so kamen Jahr für Jahr viele Pilger nach Wardenburg. Als 1793
ein neuer Altar angeschafft wurde, verschwand das Marienbildnis.
Vor der Kirche steht noch
heute der Glockenturm. Er heißt so, weil noch bis 1960 Kirchenglocken
darin
hingen. Sein heutiges Aussehen erhielt der Turm erst im Jahre 1703. Ein
starker Sturm hat den Turm fast völlig zerstört. Der Turm wurde
wieder aufgebaut, erhielt jedoch ein geändertes Aussehen. Der Glockenturm,
der jetzt in der Dorfmitte steht, war ursprünglich wahrscheinlich
der östliche Ortseingang Wardenburgs. In Wardenburg gab es die Kirche
und die noch in Betrieb genommene Schmiede. Ob sich die "Wardenburg" im
Inneren des Ortes befand oder nicht, läßt sich nicht mehr genau
feststellen. Höchstwahrscheinlich ist davon auszugehen, daß
die Burg außerhalb des Ortes war, weil die allermeisten Burgen vor
dem Tor der Stadt oder des Dorfes gebaut wurden. Außerdem gibt es
Funde, die dies belegen können. Beispielsweise konnten Reste einer
Ruine auf einem Feld nahe der Lethe gefunden werden?
Der Tillyhügel
Wardenburg zur Zeit des 30-jährigen Krieges
Der in die deutsche Geschichte
eingegangene Feldherr Tilly traf 1623 in Wardenburg ein. Er besetzte
ein südlich von Wardenburg gelegenes Esch, wo seine 25000 Mann starke
Truppe in Stellung ging.
Ein Esch ist ein etwas höher
gelegenes Gebiet, welches im Gegensatz zum Moor trocken und zum Bewirtschaften geeignet ist. Das Wardenburger Esch war
um 1600 ein letzter Ausläufer des Wildeshausener Geestrückens.
Nach dem die Moore entwässert und trockengelegt wurden, unterscheidet
sich das Esch nicht mehr von den anderen Flächen Wardenburgs.
Tilly wollte weiter nach
Oldenburg vordringen, und dort die Bürger auszurauben. Seine Aufgabe
war es zwar, die Menschen zum katholischen Glauben zu bewegen und wenn
es sein mußte, tat er dieses auch mit Gewalt. Wie, ohne zu rauben,
wird sonst ein Heer mit 25000 Mann satt?
Es gelang Tilly aber nicht
nach Oldenburg zu gelangen. Das zwischen Oldenburg und Tungeln gelegene
Moor war nur durch eine einzige Brücke zu überwinden. Die Brücke
hätte die Truppe sicher nicht ausgehalten und so beschloß Tilly,
nach längerem Verhandeln mit dem Grafen Anton Günther, von Oldenburg
wegzuziehen. Der Graf mußte einige seiner besten Pferde an Tilly
abgeben, im Gegenzug blieb Oldenburg aber von Tillys Truppen verschont.
Sie zogen weiter nach Ostfriesland, welches durch die Plünderungen
wirtschaftlich völlig ruiniert wurde. Zum Gedenken an den Feldherrn
Tilly wurde 1925 der Teepen-Barg zum „Tillyhügel" ernannt. Heute steht
auf dem „Tillyhügel" ein großer Stein, der an die Gefallenen
des ersten und zweiten Weltkrieges erinnert.
Der Danzmeesterweg
In der Nähe des Tillyhügels
verläuft der "Danzmeesterweg". Es wird erzählt, daß dort
Tillys Soldaten mit den Wardenburger Mädchen getanzt haben.
Seit ein paar Jahren findet
in Wardenburg sogar ein Fest statt, bei dem der Name des Feldherrn die
Hauptrolle spielt. Es gibt noch immer Spuren, die auf Tilly hinweisen,
und sei es auch nur ein Fest, das seinen Namen trägt.
Der Dortmunder Moorweg
Nicht nur Tilly interessierte
sich für Wardenburg, auch die Stadt Dortmund. Im ersten Weltkrieg
kaufte die Stadt Dortmund westlich von Achternmeer 2.300 ha Hochmoor vom
Siedlungsamt Oldenburg. Am Küstenkanal bauten die Dortmunder dann
ein Kriegsgefangenenlager (das sogenannte "Dortmunder Lager"). Nach dem
Krieg wurden dort landwirtschaftliche Gutsgebäude und Arbeiterwohnungen
gebaut. Der Weg zum Gut wurde mit Sand befestigt und heißt noch heute
"Dortmunder Moorweg". 1934 verkaufte die Stadt Dortmund das Moorgut wieder
an das Siedlungsamt zurück. Viele Landarbeiter fanden anschließend
auf dem Gut eine neue Heimat. Diese Siedlung wurde später „Harbern"
genannt .
Der Saarländer Weg
Der Straßenname „Saarländer
Weg" kommt von den Vertriebenen und Flüchtigen aus dem Saarland. Sie
siedelten sich an, in der Erwartung hier Arbeit zu bekommen. Es entstand
ein neues Dorf, das "Habern 2" genannt wurde. Die zusätzlichen Hilfskräfte
waren willkommen, denn der Krieg hatte große Schäden hinterlassen.
Außerdem konnten sie beim Torfstechen mithelfen. Torf war das Brennmaterial
für die Öfen in der Umgebung, die allesamt nur mit Torf beheizt
werden konnten. Torf besteht aus zersetzten pflanzlichen Substanzen (z.B.
Gräser). Der Boden ist braun bis schwarz und faserig. Das Gelände
ist sumpfähnlich und schwammartig. Torf wird Schicht für Schicht
mit der Hand abgebaut.
Verwunderlich, daß
es in Wardenburg keine Straßen gibt, die auf den Torfabbau hinweisen.
Allerdings fangen überall im Gemeindegebiet viele Straßen mit
dem Wort „Moor" an oder enden mit "Moor". Abgesehen vom Esch und der Geest
in Gebiet um Charlottendorf bestand die Gemeinde fast nur aus Moor. Heute
ist allerdings kaum noch Moor vorhanden. Es wurde in den zurückliegenden
Jahren weitestgehend entwässert und aus dem dann trockenen Boden entstand
Torf. Eventuell ist das der Grund, warum keine Wardenburger Staßennamen
mit dem Moor in Verbindung stehen.
Rote Erde
Außer Moor und Esch ist
noch eine andere Art der Bodenbeschaffung in der Gemeinde vertreten. Es
ist die Geest in Charlottendorf. Eine Geest besteht aus einem höher
gelegenem Gebiet wie auch das Esch. Der Unterschied besteht jedoch darin,
daß der Boden aus Sand ist und nur schwer bewirtschaftet werden kann.
Es wächst dort nur Besen- oder Glockenheide. Da das getrocknete Pulvermoor
leicht "auseinanderbrökelt", kann der Boden nicht für die Torfverarbeitung
genutzt werden. Nach der rötlichen Farbe des Pulvermoores heißt
ein Gut in Charlottendorf-West "Rote Erde".
Quellenverzeichnis:
-
Gemeinde Wardenburg; „Im Spiegel
der Zeit" - 700Jahre Wardenburg, Oldenburg 1970
-
Landkreis Oldenburg; „Grüner
Kreis im Herzen der Geest", Kissing 1981
-
Gemeinde Wardenburg; Orientierungsplan;
Kiel 1980
-
Gemeinde Wardenburg; Gemeinde
Wardenburg; Kissing 1982