Der Prachtmantel aus dem Vehnemoor

 

Ein Meisterstück germanischer Webkunst

Über germanische Textilkunst in Norddeutschland wäre ohne die Moorfunde kaum etwas bekannt. Moore konservieren durch ihren Gehalt an Huminsäure Gewebe aus Wolle auf geradezu ideale Weise .
Das Staatliche Museum für Naturkunde und Vorgeschichte verwahrt zahlreiche Tuchfunde aus den Mooren des nordwestlichen Niedersachsen .

 Einzigartiger Fund

1880 stieß ein Torfstecher im Vehnemoor bei Littel (Gemeinde Wardenburg, Landkreis Oldenburg) auf Reste eines Gewebes, in das eine kleine Bronzeschale eingeschlagen war. Die für textile Moorfunde typische braun-schwarze Färbung geht auf die Moorsäure mit jeweils unterschiedlich hohem Eisenanteil zurück.

Die Analyse der insgesamt 29 Gewebefetzen durch Experten im Textilmuseum Neumünster ergab, daß es sich um einen einzigartigen Fund handelt: Das auffallend fein gewebte Tuch war ursprünglich hellbeige und an drei Seiten von einer rot-braun gestreiften Kante in Brettchenweberei eingefaßt. An zwei Seiten hingen Fransen. Ein Anhaltspunkt zur Datierung ist das römische Bronzeschälchen: Der Fund wurde vermutlich im 2. Jahrhundert n.Chr.niedergelegt.

Mit knapp 3 Meter Länge und 1,80 Meter Breite hatte das Tuch die typischen Maße eines Umhanges, wie er zur germanischen Tracht für Männer und wohl auch Frauen gehörte. Diese Mäntel beschrieb schon Tacitus. Sie wurden nicht aus einem fertigen Stoff in "Meterware" geschneidert, sondern maßgerecht in einem Stück gewebt. Entsprechend unterschiedlich sind die Maße anderer Mantelfunde.

Die Nachbildung durch geübte Weberinnen dauerte ein Jahr. Wahrscheinlich gehörte der Mantel einem vornehmen Germanen, der ihn als wertvolles Opfer ins Moor niedergelegt.

Derzeit hat der nachgewebte Mantel einen Wert von rund 3000 DM.



weitere Informationen:
Staatliches Museum fürNaturkunde und Vorgeschichte

Damm 38-44
26135 Oldenburg
Museumspädagogischer Dienst (Tel.: 0441/9244-323 oder 9244-306)